Das Band der Generationen



Der Sinn des Lebens ist nicht furchtbar großartig. 

Eigentlich geht es nur darum, möglichst gut durchs Leben zu kommen. Nachkommen zu schaffen, damit das Leben weitergeht. 
Die Nachkommen so gut wie möglich auf das eigene Leben vorzubereiten. Und dass die wieder Nachkommen schaffen, die wieder das gleiche tun.

Wenn man dann schließlich Opa wird, ist das noch mal eine besondere Zeit. Wenn man dann auch noch in Rente gehen darf, beginnt wirklich noch mal ein neues Glück. 
Eine neue Freiheit wird einem geschenkt. 

Und die Enkel halten dich jung. Und sie bringen auch den Enkel in dir, der du einmal warst, zum Klingen. Das Band der Generationen – es wird jetzt erstmalig greifbar und erfahrbar.


Kinder zu bekommen, das war schon ein ganz besonderes Glück und eine völlig lebensverändernde neue Erfahrung. 
Und Opa werden ist wieder etwas ganz Besonderes.

Es ist, als würde man Samenkörner der Liebe, der Lebensfreude, der Leidenschaft ausstreuen bei seinen Enkeln. Für die Themen und Leidenschaften, für die man selber brennt. Weil die gibt man mit ganzem Herzen und authentisch weiter.

Wenn ich in meinem Schrebergarten mit meinem Enkel die Zeit verbringe, ihn an allen Gartenarbeiten beteilige, wir gemeinsam die Natur bestaunen, den Rasen mähen oder ein Zelt bauen... Mache ich es, weil ich es selbst liebe und meinen Garten lebe und gerne pflege. Und ich glaube, diese Begeisterung spürt er. Und sie springt auf ihn über.

Und wenn wir gemeinsam mit Spielzeug kreative Welten erschaffen, in denen Figuren zum Leben erwachen und Szenen des Alltags nachgespielt werden, so entstehen bei ihm auch fantasievolle Welten, die er womöglich sein Leben lang mit dem Opa in Verbindung bringen wird.

Oder wenn wir zusammen Musik hören und er meine Begeisterung dafür spürt, wie intensiv ich die Klänge wahrnehme, und er mir dabei nacheifert. Wenn er selbst beginnt, ein Gespür für die Musik zu entwickeln, und wir gemeinsam die Lieder fühlen. Das macht schon ganz viel mit dem Opa-Herz und ich glaube auch mit seinem.

Und auch das Herz meiner kleinen Enkelin konnte ich am Wochenende glaube ich erreichen, als sie bei mir zu Besuch war mit ihrer Mama. Denn einen Tag später erreichte mich per Messenger eine Audio-Nachricht, worauf sie ein selbst erfundenes Lied vor sich hin sang mit dem Text: „Ich vermisse den Opa.“

Diese Samenkörner wurden auch von meinen Großvätern und ehrlicherweise auch von meinem Vater bei mir gelegt. 

Die Leidenschaft fürs Gärtnern und fürs Camping und das Role Model als fürsorglicher Vater – diese Samenkörner haben meine Großväter eingepflanzt.

Wenn das der Sinn des Lebens sein soll, dann ist es vielleicht doch großartig.

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