Schwere, traurige Gedanken mischen sich heute in meinen schönen Rentnermittwoch
Bei 25 bis 27 °C und einem frischen Wind kommt fast schon Sommerfeeling wie am Meer auf. Heute stehen keine Verpflichtungen an, also heißt es: den Rentnermittwoch nutzen! 😄
Auch der Himmel zeigt sich herrlich mit einem Mix aus Sonne und Wolken.
Fährt man nach Neustadt-Diedesfeld, kann man unterhalb des Hambacher Schlosses direkt in den Weinbergen parken – dort gibt es verschiedene Parkplätze.
Von da aus geht es bald hinein in den Wald, wo es erst einmal kräftig bergauf geht. Unterwegs kommt man an einer angelegten Mountainbike-Abfahrtsstrecke vorbei.
Nach etwa 20 Minuten erreicht man einen wunderschönen Pfad, der sanft durch den Kiefernwald ansteigt. Er verläuft hoch oberhalb eines Tals, das sich tief in den Pfälzerwald hineinzieht. Zur linken Hand eröffnen sich dabei immer wieder herrliche Ausblicke auf die Dörfer, die Weinberge und die weite Rheinebene.
Mein heutiges Ziel ist die Hohe Loog mit ihrer wunderschönen Pfälzerwald-Hütte.
Zwischendurch wanderten meine Gedanken immer wieder zu dem unfassbaren Ereignis, das sich am Montag in Stade abgespielt hat.
Während eines Hilfeplangesprächs zog ein Vater eine Pistole und ermordete sechs Menschen – drei Mitarbeiter/innen einer Mutter-Kind-Einrichtung und drei Mitarbeiter/innen des Jugendamtes.
In meinen 31 Jahren beim Jugendamt haben wir immer wieder an die Risiken und Gefahren unseres Berufes gedacht. Obwohl das Jugendamt für die Familien da ist und umfangreiche Hilfen vermittelt, wird es in Extremfällen regelrecht zum Feindbild aufgebaut. Nämlich dann, wenn Maßnahmen zum Schutz der Kinder ergriffen werden müssen – auch gegen den Willen der Eltern.
Selbst in hochstrittigen und komplexen Situationen versucht das Jugendamt unermüdlich zu vermitteln und gemeinsame Lösungen zu erarbeiten.
Ob man sich in diesem speziellen Fall überhaupt noch mit dem Vater an einen Tisch hätte setzen dürfen?!
Ich kenne die genaue Fallkonstellation natürlich nicht, aber aus diesem GAU müssen dringend Lehren gezogen werden.
Es braucht Rahmenbedingungen, die die Sicherheit der Kolleginnen und Kollegen nachhaltig gewährleisten.
Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter wollen von Natur aus helfen – und neigen leider oft dazu, die eigenen Grenzen und den Selbstschutz hintenanzustellen.
Ich hoffe sehr, dass sich die Teams vor Ort nun intensiv Gedanken darüber machen, wie sie sich in Zukunft besser schützen können.
Und wie glücklich schätze ich mich in diesem Moment, dass ich diesem Jugendamts-Moloch entkommen bin und stattdessen ganz friedlich auf weichem Waldboden durch den Kiefernwald spazieren darf.
Aus diesen tiefen Gedanken riss mich erst der Höhenweg zur Hohen Loog, wo wieder etwas mehr los war, als mir eine Frauengruppe entgegenkam.
Falls du noch nicht weißt, wie man sich auf Pfälzisch so richtig unterhält: einfach doppelt so laut reden wie normal und am besten alle gleichzeitig. Genau nach diesem Prinzip funktionierte auch diese Truppe.
Nach wenigen hundert Metern steht man dann aber auch schon an der Hütte.
Nach einer gemütlichen Rast geht es für mich nun weiter. Von der Hütte aus läuft man ein Stück und folgt zunächst der roten Markierung, bevor es nach kurzer Zeit rechts ab geht mit dem rot-weißen Zeichen. Der Pfad führt von hier an direkt hinunter zum Hambacher Schloss.
Während ich so hinabwandere, muss ich noch an meine Pause an der Hütte zurückdenken. Die Tische im Freien waren dort so gut wie alle von Rentnergruppen und Pärchen besetzt – hier und da sah man auch mal einen Alleinwanderer.
Glücklicherweise hatte ich noch einen schönen Platz mit toller Aussicht gefunden. Kurz darauf gesellte sich ein Best-Ager-Paar zu mir an den Tisch, und ich durfte unfreiwillig an einer dieser typischen Konversationen teilhaben:
Sie: „Möchtest du die Hälfte von meinem Käsekuchen?“
Er: „Nein, also mein Kirschstreusel schmeckt mir sehr gut! Ich bin zufrieden.“
Wer kennt es nicht? 😄
Nach der hitzebedingten Bewegungspause merke ich heute doch meine Beine. Auch wenn die Wanderung nicht ultralang ist, muss man doch gut 400 Höhenmeter hinauf und hinab überwinden.
Der Handwerkerpfad führt von hier aus direkt weiter nach unten, am Hambacher Schloss vorbei. Und man kommt in Hambach wieder raus.
Durch die Weinberge ging es zurück zum Auto, das am Ortsrand von Diedesfeld geparkt stand.
Hier ist noch der Link zu komoot:
https://www.komoot.de/tour/3075303943?ref=aso&share_token=ajXoilVlZr9ELckLN06QTQDQHZBH5c7bv50anXo0Xc591UZ4v5&t_s=referral&t_cid=route_share
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