Ku’damm 77: Monika, Dorli und der mühsame Weg der Emanzipation
Kennt ihr die ZDF-Serie „Ku'damm“? Der vierte Teil der Serie ist seit dem 27. Dezember in der Mediathek des ZDF streambar. Es ist die Fortsetzung der Staffeln „Ku'damm 56“, „Ku'damm 59“ und „Ku'damm 63“. Die neue Staffel macht einen Zeitsprung und spielt im Jahr 1977.
Ich kann euch die Serie sehr empfehlen. Ich habe an Silvester gemütlich begonnen, die neue Staffel zu schauen, und die ruhigen Tage Anfang des Jahres genutzt, um sie zu Ende zu sehen.
Für jemanden, der 1977 ein Teenie war, ist das natürlich besonders interessant. Aber auch die ersten drei Staffeln sind empfehlenswert – allein aus geschichtlichen Gründen. Ich kann es jedem nur ans Herz legen, sich die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland auf diese unterhaltsame Weise nahebringen zu lassen. Vor allem die Situation der Frauen und Mädchen, ihr Kampf um Gleichberechtigung, aber vor allem auch das Thema Gewalt gegen Frauen zieht sich durch alle Staffeln. Auch andere zentrale Themen werden mutig angesprochen, wie die Unterdrückung von Homosexuellen oder die Machenschaften der Stasi in der DDR.
Gerade für junge Menschen, die in den 80ern, 90ern oder 2000er Jahren geboren wurden, ist es eine tolle Möglichkeit, sich anzuschauen, wie Deutschland noch vor nicht allzu langer Zeit ausgesehen hat.
Die neue Staffel „Ku'damm 77“ hat aus meiner Sicht einige Höhen und Tiefen. Manches wirkt etwas konstruiert und es gibt Längen, aber dafür finden sich wiederum einige sehr starke Momente.
Es geht diesmal vor allem um die dritte Generation – die heranwachsenden Kinder der Schwestern – und wie sie ihren eigenen Weg ins Leben finden. Aber nicht nur die Kinder entwickeln sich weiter, sondern auch die Mütter.
Und die Leichen im Keller von Oma Caterina scheinen unerschöpflich: So kommt ans Licht, dass die Tanzschule 1936 durch Enteignung einer jüdischen Familie für nur eine Reichsmark übernommen wurde. Ein weiterer Schock: Die junge schwarze Dokumentarfilmerin, die einen Film über die Familie Schöllack dreht, ist tatsächlich die leibliche Tochter von Caterina Schöllack.
Claudia Michelsen spielt diese Matriarchin wieder unglaublich. Sie alleine ist es schon wert, die Staffel anzuschauen. Aber das ganze Ensemble, und vor allem auch die Jungen, brillieren schauspielerisch. Da kann man über die eine oder andere Schwäche und das manchmal arg konstruierte Drehbuch hinwegsehen.
Es wird versucht, die Stimmung der 70er rüberzubringen, und das ist für einen Boomer wie mich mit vielen Erinnerungen verbunden. Das Kinderzimmer von Dorli war in etwa mein Kinderzimmer zu dieser Zeit. Im Radio hört man ständig von den RAF-Terroristen, und die Sex Pistols und „Give a Little Bit“ von Supertramp waren meine Musik. Auch die Drogengeschichte von Dorli erinnert ein wenig an „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“, zumal sich die Tanzschule in Sichtweite des Bahnhofs Zoo befindet. 1978 kam die Geschichte von Christiane F. im Stern als Fortsetzungsserie heraus, und ich kann mich noch gut erinnern, wie ich jede Woche gespannt auf den nächsten Teil gewartet habe.
Mein Fazit:
Für mich steht in dieser neuen Staffel vor allem die Entwicklung der Beziehung zwischen Dorli und ihrer Mutter Monika im Zentrum. Die schauspielerische Leistung der beiden ist im Übrigen herausragend und macht „Ku’damm 77“ absolut sehenswert – da kann ich dann auch über einige überkonstruierte oder unlogische Drehbuchideen hinwegsehen.
Habt ihr Ku'damm 77 angeschaut?
Wie fandet ihr die Staffel?
Schreibt mir gerne in die Kommentare. Man muss sich nicht anmelden.
Die Staffel läuft am 12./13./14. Januar im TV.
Guten Morgen , hehört habe ich davon aber ich kenne sie noch nicht, muss mal mein Schatz sagen dass er sie rausziehen soll und dann bin ich mal gespannt!
AntwortenLöschenDanke für den Tip!
Schönen Sonntag wünsche ich dir!
Herzlichen Gruss Elke